{"id":3228,"date":"2012-01-02T23:02:33","date_gmt":"2012-01-02T22:02:33","guid":{"rendered":"http:\/\/www.packpapierverlag.de\/?page_id=3228"},"modified":"2012-01-02T23:04:33","modified_gmt":"2012-01-02T22:04:33","slug":"literatursalon-andersen","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.packpapierverlag.de\/?page_id=3228","title":{"rendered":"Literatursalon Andersen"},"content":{"rendered":"<p><!DOCTYPE html PUBLIC \"-\/\/W3C\/\/DTD HTML 4.01\/\/EN\" \"https:\/\/www.w3.org\/TR\/html4\/strict.dtd\"><br \/>\n<html><br \/>\n<head><br \/>\n  <meta content=\"text\/html; charset=ISO-8859-1\"\n http-equiv=\"content-type\"><br \/>\n  <title>Litsalon Andersen<\/title><br \/>\n<\/head><br \/>\n<body><br \/>\n<small><br \/>\n<\/small><\/p>\n<div style=\"text-align: center;\"><small><span\n style=\"font-weight: bold;\">Literatursalon: H. C. Andersen &#8211;<br \/>\ndie Sprache der Natur<\/span><br \/>\n<\/small><\/div>\n<p><small><br \/>\nAndersen!<br \/>\n&#8211; der anspruchsvolle Leser hebt abwehrend die H\u00e4nde um die<br \/>\nleichtgewichtigen M\u00e4rchen von sich weisen. Allerdings w\u00e4re es schade,<br \/>\nge\u00fcbten und erfahrenen Lesern unsere Erkenntnisse \u00fcber Andersens<br \/>\neigent\u00fcmliche Sprache, Sujetwahl, Metaphern und schriftstellerische<br \/>\nIntentionen vorzuenthalten, denn die vordergr\u00fcndig r\u00fchrenden<br \/>\nGeschichten verm\u00f6gen auch den Geist anzur\u00fchren, und es lassen sich bei<br \/>\naufmerksamem Lesen verschiedene poetologische Konzepte erkennen, wie<br \/>\neine Sprache der Natur, die uns hier besch\u00e4ftigen soll. <\/p>\n<p>Dirk,<br \/>\neiner der Salonbesucher, stellte in seinem ersten Statement fest, da\u00df<br \/>\nf\u00fcr ihn als Kind der M\u00e4rchenonkel aus D\u00e4nemark eindeutig &#8222;der Gute&#8220;<br \/>\nwar, weil seine M\u00e4rchen grunds\u00e4tzlich etwas Gutes im Sinn hatten &#8211; was<br \/>\nein oberfl\u00e4chlicher Vergleich zB mit Grimms Rotk\u00e4ppchen, Schneewittchen<br \/>\nusw leicht zeigen kann. Irgendwie ist das bei Andersen anders, Kinder<br \/>\nmerken das schnell. Erwachsene haben die Gabe der intuitiven Auffassung<br \/>\nanscheinend verloren und m\u00fcssen dann eben die M\u00fchen der rationalen<br \/>\nReflektion auf sich nehmen. Im folgenden werde ich zun\u00e4chst einen<br \/>\nEinblick in die behandelte Literatur geben und sodann das Gespr\u00e4ch der<br \/>\nLiteraturrunde widergeben.<\/p>\n<p><\/small><\/p>\n<div style=\"text-align: center;\"><small><span\n style=\"font-weight: bold;\">Die Naturm\u00e4rchen Andersens<\/span><br \/>\n<\/small><\/div>\n<p><small><br \/>\nWie<br \/>\njeder unserer Literatursalons hatte auch dieser entsprechend dem<br \/>\nKonzept der Zukunftswerkstatt eine erste Phase der Bestandsaufnahme, in<br \/>\nder gemeinsam Texte gelesen wurden, worin Andersen einen nicht<br \/>\nunbedingt den Menschen zum Mittelpunkt nehmenden Blick auf die Welt<br \/>\ngibt, sondern aus der Perspektive eines Mistk\u00e4fers, eines h\u00e4\u00dflichen<br \/>\nEntleins oder eines Rosenelfs schreibt (&#8222;Der Mistk\u00e4fer&#8220; &#8211; &#8222;Das h\u00e4\u00dfliche<br \/>\njunge Entlein&#8220; &#8211; &#8222;Der Rosenelf&#8220;). Es \u00fcberrascht etwas, aber dann ist es<br \/>\ndoch ganz leicht, weil logisch, die Mistk\u00e4fergeschichte mit der Stimme<br \/>\neines boshaften M\u00e4rchenonkels zu lesen. Und beim Rosenelf bedarf es<br \/>\neines d\u00e4monischen Flairs, das sonst vielleicht bei Baudelaires Blumen<br \/>\ndes B\u00f6sen und manchen Symbolisten zu finden ist. Es gibt bei Andersen<br \/>\neine gro\u00dfe Zahl von Geschichten, die von Tieren und Pflanzen handeln,<br \/>\nund bei denen sich statt der anthropozentrischen Weltsicht eine<br \/>\nPerspektive aus Sicht der Pflanzen, Schnecken und andern Kleingetiers<br \/>\nfindet. Dabei lassen sich wie bei dem erw\u00e4hnten Rosenelf auch komplexe<br \/>\npsychologische Zusammenh\u00e4nge schildern, und der Mistk\u00e4fer entwickelt<br \/>\neine Arroganz und Niedertracht, die vermutlich einerseits auf einen<br \/>\nverha\u00dften Politiker am d\u00e4nischen Hof gem\u00fcnzt ist, andrerseits wie bei<br \/>\nder Fabel den Tieren die F\u00e4higkeit zu f\u00fchlen und zu denken zugesteht.<\/p>\n<p>Diese<br \/>\nBeseeltheit gilt auch f\u00fcr Planzen, aus deren Lebensumfeld und m\u00f6glicher<br \/>\nWahrnehmung Andersen die Geschichten von Buchweizen, Flachs,<br \/>\nG\u00e4nsebl\u00fcmchen und Schneegl\u00f6ckchen erz\u00e4hlt (&#8222;Der Buchweizen&#8220; &#8211; &#8222;Der<br \/>\nFlachs&#8220; &#8211; &#8222;Das G\u00e4nsebl\u00fcmchen&#8220; &#8211; &#8222;Das Schneegl\u00f6ckchen&#8220;). M\u00f6gen Pflanzen<br \/>\nwie Buchweizen und Flachs prim\u00e4r von wirtschaftlichem Interesse f\u00fcr die<br \/>\nMenschen sein, so dr\u00fccken andere, wie das in einen Liebesbrief<br \/>\ngesteckte Schneegl\u00f6ckchen, eine innige Beziehung zu der stummen Welt<br \/>\nder Pflanzen aus. Es kommt nur darauf an, diese Blume als handelnde<br \/>\nHauptperson der Geschichte zu begreifen. Zwar bedient die Erz\u00e4hlung<br \/>\nsich unserer menschlichen Begrifflichkeit, aber wenn wir uns<br \/>\nehrlicherweise eingestehen, nicht wirklich zu wissen, was Liebe<br \/>\neigentlich ist, dann w\u00e4re es durchaus m\u00f6glich, da\u00df ein Schneegl\u00f6ckchen<br \/>\nals Bote dieser Liebe mehr davon wei\u00df. Und da\u00df ein Mensch in einer<br \/>\nBlume geboren wird, wie es D\u00e4umelinchen geschieht, ist nicht nur ein<br \/>\nFall f\u00fcr die Psychoanalyse, die m\u00f6glicherweise eine peinliche<br \/>\nVerdr\u00e4ngungsleistung ins Feld f\u00fchren wird, sondern eine ebenso<br \/>\n\u00e4sthetische wie von Naturliebe zeugende Genealogie: die Blume wird \u00fcber<br \/>\ndie Menschen gestellt, und da kommen wir her! Der Versuch, die allzu<br \/>\nmenschliche Perspektive zu verlassen, wenngleich man sich ihrer Sprache<br \/>\nbedient, hat Andersen den Gedanken eingegeben, ein Buch der Natur zu<br \/>\nverfassen, bzw dies einen seiner m\u00e4rchenhaften Protagonisten machen zu<br \/>\nlassen, und zwar in der Geschichte &#8222;Das stumme Buch&#8220;, wo ein<br \/>\nNaturforscher ein Herbarium angelegt hat und darin Trost f\u00fcr sein<br \/>\ngescheitertes Leben findet. Andersen war wie der befreundete Romantiker<br \/>\nund Naturforscher Chamisso den Naturwissenschaften mit Interesse<br \/>\nzugewandt, denen beiden ein Herbarium nicht nur eine wissenschaftliche<br \/>\nArbeit sondern ein tiefes Gef\u00fchl bedeutete. Und wenn der gescheiterte<br \/>\nForscher sein Herbarium mit ins Grab nehmen will, ist das keineswegs<br \/>\neine weitere Sentimentalit\u00e4t sondern bedeutet rein sachlich das<br \/>\nVerbergen wissenschaftlicher Forschung vor der \u00d6ffentlichkeit &#8211; und ein<br \/>\nBewahren des Geheimnisses der Natur. Man stelle sich vor, wenn die<br \/>\nEntdecker des 2011 im Labor erzeugten Vogelgrippesupervirus ebenso<br \/>\nverfahren w\u00e4ren! Somit haben wir in Form eines romantischen M\u00e4rchens<br \/>\neinen Beitrag zum wissenschaftsethischen Diskurs.<\/p>\n<p>In weiteren<br \/>\nGeschichten erleben wir aus Sicht der St\u00f6rche, wie die Dorfkinder f\u00fcr<br \/>\nTierqu\u00e4lerei bestraft werden, wir erfahren von der Unkenntnis des<br \/>\nKaisers von China bez\u00fcglich seiner Nachtigal, und auf dem H\u00fchnerhof<br \/>\n(&#8222;Die St\u00f6rche&#8220; &#8211; &#8222;Die Nachtigall&#8220; &#8211; &#8222;Hofhahn und Wetterhahn&#8220;) m\u00f6chte<br \/>\nman an eine Satire auf das menschliche Gesellschaftsleben denken, wenn<br \/>\nder Hahn verk\u00fcndet, da\u00df er Eier legen kann, &#8222;wenn ich es im H\u00fchnerhof<br \/>\nder Welt befehle!&#8220; Also vonwegen Andersen w\u00e4re unpolitisch. F\u00fcr soziale<br \/>\nGerechtigkeit sorgt bei Andersen ein Kanarienvogel: &#8222;Es war eine arme,<br \/>\narme Frau &#8230; und ihr Mann war gestorben.&#8220; Sie hatte weder Geld um<br \/>\nEssen noch um einen Sarg zu kaufen. Da flog ein Kanarienvogel ins<br \/>\nZimmer, setzte sich neben den Toten und sang, &#8222;du darfst nicht so<br \/>\ntraurig sein&#8220; &#8230; ok, es geht aber noch weiter, denn als die Frau den<br \/>\nVogel seinen Besitzern zur\u00fcckbringt, bekommt sie Geld f\u00fcr den Sarg und<br \/>\ndarf fortan jeden Tag zu den Leuten essen kommen. &#8211; Unm\u00e4nnlich findet<br \/>\ndas der d\u00e4nische Kritker Georg Brandes 30 Jahre nach Andersens Tod,<br \/>\n&#8222;Sein Geist entbehrte g\u00e4nzlich der Angriffswaffen. &#8230; Aus dem armen,<br \/>\ntausendfach gedem\u00fctigten Kind des Volkes&#8220; sei ein &#8222;gro\u00dfer Mann&#8220;<br \/>\ngeworden, aber &#8222;Ein Mann wurde er nicht. Im Gem\u00fct des Kindes aus dem<br \/>\nVolke schlummerte auch nicht der leiseste Keim von M\u00e4nnlichkeit&#8220;.<\/p>\n<p><\/small><\/p>\n<div style=\"text-align: center;\"><small><span\n style=\"font-weight: bold;\">Die Diskussion<\/span><br \/>\n<\/small><\/div>\n<p><small><br \/>\nWie<br \/>\nsich die Zeit doch \u00e4ndert: heute m\u00e4kelt keiner mehr an Andersens<br \/>\nsexueller Orientierung rum, jedenfalls nicht im Literatursalon. Zumal<br \/>\nBrandes Ausf\u00fchrungen nicht nur unfair sondern ziemlich ideologisch<br \/>\nsind. Und der Versuch der Schwulen Community, Andersen sich<br \/>\neinzuverleiben, ist reichlich spekulativ, interessiert aber heute auch<br \/>\nkaum jemand. Kann zunehmende Toleranz den Blick auf das Wesentliche<br \/>\n\u00f6ffnen? Jedenfalls bin ich bei dem Publikum dieses Salons vielen<br \/>\nVorurteilen nicht begegnet. die zu bef\u00fcrchten w\u00e4ren. Statt dessen ging<br \/>\nes bis nach Mitternacht, und wir haben sogar noch mehr gelesen, um<br \/>\nDiskussionsstoff zu haben. Ein Gl\u00fcck, da\u00df das nicht an der Uni war, da<br \/>\nlaufen die Studis weg, sowie die Zeit abgelaufen ist. Der<br \/>\nLiteratursalon im Osnabr\u00fccker Big Buttinsky ist in der Lage einen<br \/>\nbefreiten Raum zu schaffen, wo Zeitdruck, ideologische<br \/>\nLebens(un)wirklichkeit und Alltagskonditionierung drau\u00dfen bleiben. Da<br \/>\nkommen einem die besten Ideen. Und Tino die r\u00e4tselhaftesten. Was meint<br \/>\ner mit &#8222;Schneegl\u00f6ckchen = Denkmal&#8220;? Und &#8222;Wiedergeburt \/ Abstammung \/<br \/>\nMetamorphose&#8220;? &#8230; wir werden sehen!<\/p>\n<p>Ich versuche als Moderator<br \/>\ndie Ideen der Literaturrunde im Telegrammstil auf der Tafel<br \/>\nzusammenzufassen, und manchmal ist es schwer zuzuh\u00f6ren und gleichzeitig<br \/>\nzu schreiben. Oft sind die Leute so inspiriert von der Literatur und<br \/>\nnoch mehr von ihren eigenen Ideen, da\u00df die Gedanken schneller springen<br \/>\nals man sie fassen kann. Dieses Ph\u00e4nomen bedauerte Friedrich als erster<br \/>\nder Runde, denn wenn man die Geschichten unkritisch l\u00e4se, w\u00e4ren sie<br \/>\ndoch ganz sch\u00f6n. Damit konnte er sich aber nicht halten nach Tinos<br \/>\ntheoretischem Exzess zum bereits erw\u00e4hnte Schneegl\u00f6ckchen, den Klaus<br \/>\nabzumildern versuchte als lakonischen Humor. Da Andersen mehr im Ruf<br \/>\neines Naiven steht, gewinnt er mit dem Humor an bemerkenswerten<br \/>\nEigenschaften. Um Friedrichs Beitrag nicht ganz zu \u00fcbergehen, sei<br \/>\ngesagt, da\u00df einige in unserer Runde nicht etwa literarisch skrupellos<br \/>\nsind, sondern durch die Diskussion noch mehr von der Sch\u00f6nheit eines<br \/>\nliterarischen Kunstwerks entdecken wollen. Mit Matthias Frage nach<br \/>\nAndersens Psyche, ohne allerdings eine polemische Richtung vorzugeben,<br \/>\nentfernen wir uns leider noch weiter von dem<br \/>\nl&#8217;art-puer-l&#8217;art-Standpunkt. Worauf Friedrich zwar einlenkte, jedoch<br \/>\neine neue Position behauptete, da\u00df n\u00e4mlich Andersens Naturschilderungen<br \/>\neine besondere Wertsch\u00e4tzung (Moral) vermittelten. Die Sorge, da\u00df die<br \/>\nsch\u00f6nen Geschichten durchs dr\u00fcber Reden kaputt gemacht w\u00fcrden, war also<br \/>\nvom Tisch. Am interessantesten ist es zu beobachten, wie die Gedanken<br \/>\nund teilweise unfertigen Ideen von einem zum andern \u00fcberspringen, es<br \/>\nist n\u00e4mlich nicht so, da\u00df jeder schon vorher wei\u00df, was er sagen will<br \/>\n(das w\u00e4ren blo\u00df langweilige Verlautbarungen), und wenn ein Satz nicht<br \/>\nordnungsgem\u00e4\u00df mit Verbalklammer und Punkt beendet wird, kann man auf<br \/>\nden n\u00e4chsten Einfall gespannt sein. <\/p>\n<p>Matthias ist mit dieser<br \/>\nphantasievollen Diskussion aber nicht zufrieden, vor allem ist ihm gar<br \/>\nnicht klar, welche Bedeutung der Natur bei Andersen beizumessen ist,<br \/>\nvon einer Sprache der Natur, wie es in der Einladung zu dem Salon hie\u00df,<br \/>\nganz zu schweigen. Damit trifft er mein eigenes Anliegen &#8211; aber,<br \/>\nMatthias &#8211; was soll ich machen, wenn man hier lieber \u00fcber andere Fragen<br \/>\nredet? Vielleicht schlie\u00dft sich der Kreis ja noch, der Ausgang solcher<br \/>\nGespr\u00e4chsrunden ist vorher nie abzusehen. Mit deinem Einverst\u00e4ndnis<br \/>\nbeschr\u00e4nke ich mich weiter aufs Moderieren und hoffe, da\u00df am Ende alle<br \/>\nzufrieden sind. Obwohl ich f\u00fcrchte, da\u00df ich den weiteren Verlauf des<br \/>\nGespr\u00e4chs vielleicht nicht richtig erfa\u00dft habe, mir schien aber, da\u00df<br \/>\nTino Matthias zuliebe von seiner gewagten Metamorphose zur\u00fccktreten<br \/>\nwollte und bereit war, die symbolischen Bedeutungen bei Andersen auf<br \/>\neine konkrete \u00c4nderung des sozialen Verhaltens in unserm Leben zu<br \/>\nbeziehen. Letztlich habe Andersen ja immer die Lebensverh\u00e4ltnisse der<br \/>\neinfachen Menschen wie auch der gehobenen Klasse vor Augen gehabt und<br \/>\nderen Konflikte auf seine Weise schildern wollen. <\/p>\n<p>Schade habe<br \/>\nich gedacht und Matthias anscheinend auch, denn f\u00fcr die b\u00f6sen Blumen<br \/>\ndes Rosenelfs sei es eine zu einfache Interpretation, hier nur der<br \/>\nmenschlichen Gerechtigkeit Geltung zu verschaffen, Rache sei eine ganz<br \/>\nandre Dimension. Klaus m\u00f6chte es auch weniger einfach, denn eine rote<br \/>\nBlume stehe nicht automatisch f\u00fcr Kriegstote &#8230; und von der<br \/>\nMetamorphose, welcher Art auch immer, sind wir noch weit entfernt. Oder<br \/>\nauch nicht, denn irgendwie sickert das mit der Wiedergeburt und<br \/>\nMetamorphose durch die Gedanken und Worte hindurch. Auch die Frage nach<br \/>\ndem Woher wir kommen, das hei\u00dft, ob es eine innige Verbindung zwischen<br \/>\nanderen Lebensformen und uns Menschen gibt, ja, das hatte Tino in<br \/>\nseinem ersten uferlosen Beitrag angedeutet, und daf\u00fcr sollte das<br \/>\nSchneegl\u00f6ckchen ein Denkmal &#8211; oder sagen wir lieber &#8211; ein Symbol sein,<br \/>\ndiese Frage hat eine gef\u00fchlte Beantwortung erfahren. Darin, so befand<br \/>\nam Ende Dirk, spiegele sich das menschliche Bewu\u00dftsein, wir brauchen<br \/>\ndiese Spiegel oder Symbole, um zB. ein Unrecht nicht zu vergessen, oder<br \/>\neine entt\u00e4uschte Liebe. Was jeder im Umgang mit Haustieren erleben<br \/>\nkann, ist eine Speziesbegegnung. Es gibt soetwas wie eine Verwandschaft<br \/>\nder Menschen mit den andern Wesen der Natur, angesichts derer man<br \/>\ndurchaus das Gef\u00fchl einer Metamorphose haben kann.<\/p>\n<p>Die Sprache<br \/>\nder Natur, wie klingt sie? Da sie doch mithilfe unseres gew\u00f6hnlichen<br \/>\nWortschatzes und der \u00fcblichen Grammatik geschrieben wird? Selbst die<br \/>\nanthropozentrische Perspektive l\u00e4\u00dft sich bestenfalls etwas verbergen,<br \/>\naber wenn sie damit vorgeben will, gar nicht vorhanden zu sein, k\u00f6nnte<br \/>\ndas blo\u00df eine raffiniertere Menschensicht sein. &#8211; Gut, wer das<br \/>\nbef\u00fcrchtet, dem muten wir noch einige 100 Seiten von Tolstois<br \/>\nLeinwandmesser oder Londons Wolfsblut zu, und einstweilen bleiben wir<br \/>\ndabei, da\u00df Andersen mit der ge\u00e4nderten Perspektive eine andere Sprache<br \/>\nder Natur gefunden hat. In der gl\u00fccklichen Schneckenfamilie kam man zu<br \/>\ndem Schlu\u00df, &#8222;da\u00df alle Menschen in der Welt ausgestorben seien &#8230; und<br \/>\nsie waren sehr gl\u00fccklich.&#8220; <br \/>\n<\/small><\/p>\n<div style=\"text-align: right;\"><small>Herrmann Cropp<\/small><\/div>\n<p><\/body><br \/>\n<\/html><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Litsalon Andersen Literatursalon: H. C. 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